Anwältin der Tierwelt
Normalerweise sollen im Zeichen der Jungfrau geborene Menschen ein sanftmütiges Wesen haben. Was man von Anny Eck-Hieff nicht sagen kann, denn mit ihren Initiativen zum Thema Tierschutz eckt sie zuweilen ganz schön an. Wenn etwas nicht «propper» läuft, kann sie auch unangenehm werden.

ANNY ECK-HIEFF
Trotzdem sagt sie über sich selbst: «Ech si net mam Déiereschutz gebuer». Das berufl iche Leben der heute 77-Jährigen beginnt mit einer Lehre als Modeschneiderin. In ihrem eigenen Atelier entwirft und schneidert die junge Frau ihren Kundinnen prächtige Roben auf den Leib. Tiere hatte sie allerdings schon immer, vor allem Katzen, weil sie Individualisten sind, wie sie selbst. Als ihr vor Jahrzehnten eine solche fortläuft, sucht sie im Tierheim Gasperich nach ihr. Was zu einem einschneidenen Erlebnis wird. «Do hunn ech vill Misär gesinn».
Von da an beginnt sie sich verstärkt den Tieren zuzuwenden, bis sie mit 50 Jahren ihr Atelier aufgibt, um sich ganz dieser Aufgabe zu widmen. Zuerst unter der Flagge der Tierschutzliga, später dann mit der eigenen Organisation Alpa. 1980 fängt sie mit 54 Mitgliedern an, heute sind es rund 5.000.
1986 kommt noch die Fisea hinzu, die sie gründet, um Tierversuche im Dienst der Forschung abzuschaffen. «Ich habe miterlebt, wie einfach es für Wissenschaftler ist, Tiere gefügig zu machen», erzählt die resolute Tierschützerin über ihre Beweggründe. Weil sie im Grunde ihres Herzens jede Form von Machtausübung verabscheut, engagiert sie sich auch hier. 34 Forschungsarbeiten werden seither prämiert, auf eine Million beläuft sich das aktuelle Budget der Fisea. Mit Geldern, die auch aus dem Ausland kommen, setzt sie sich für alternative Forschungsprojekte ein, unterstützt von dementsprechenden Experten. Zwei Schreibtische stehen deshalb in ihrem repräsentativen Büro, einer für die Alpa, einer für die Fisea.
In Zukunft will Anny Eck-Hieff allerdings Aufgaben abgeben und ein wenig kürzertreten. Um sich mehr ihren eigenen beiden Katzen Micky und Peppy zu widmen, und ihrer zweiten Leidenschaft, ihrem Garten. Was wiederum zu ihrem Sternzeichen passt, denn Jungfrauen sollen kleine Tiere lieben sowie alles, was wächst.
Text: Beatrix Binder
Foto: Thierry Martin
REVUE 09 vom 1.3.2008
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Revue


